Ich bin fertig.
So muss es sich anfühlen, wenn man stirbt. Man ist so müde und erschöpft, dass man einfach nicht mehr will. Es ist alles egal, überleben ist zu anstrengend. Man gibt auf.
Wann tritt dieser Punkt ein, an dem du im Leben resignierst? Oder gegen das Leben mit seinen Zumutungen und kleinen Sticheleien, um dich wach zu halten, weiter aufmerksam das Gewühle der Welt zu verfolgen? Wenn die Musik verklingt, die dich begleitet hat? Die Band einpackt, abbaut, ganz gewiss keine Zugabe mehr spielt.
Schlafen, sich lösen im Grau, das langsam alles einhüllt, jede Pore füllt, den gleichgültigen Nebel in alles weht, das einmal Bedeutung hatte, Freude verschaffte, Lachen und Weinen in deine Welt setzte.
Vielleicht war mein Training heute einfach zu hart.
Oder zwei Abende hintereinander Geburtstagsgäste meiner Freundin zu bewirten, war zuviel.
Vielleicht bin ich auch einfach nur entsetzt. Es gibt so viele Gründe dafür: Wie schnell geht alles vorbei... Vor 4 Jahren lachte sie hier noch ihr helles, blondes Lachen. Dann liebte sie ihren Chef, verließ ihren Mann und starb letzte Woche an Krebs. Nun möchte der Exmann die Beerdigung mit einem Psychopharmakum überstehen; er will eine LMA-Tablette, sagte er. Nicht zuviel fühlen.
Aber ich muss weiterschreiben, am besten die ganze Nacht. Bis der letzte Gedanke aus dem Kopf gekehrt ist und die große Ruhe sich ausbreitet, die jedem Sturm vorangehen soll. Oder dem Tod.
Ich fange an zu fragen. Vorläufig brauche ich keine Antworten. Antworten sind täuschender Trost. Man fragt nicht, um Antworten zu bekommen, sondern um zu fragen. Wenn es keine Fragen mehr gibt, ist alles zu Ende. Dann ist das Koan geknackt. Man kann gehen.


Nase völlig verstopft,
Schreibtisch total zugemüllt, morgen ein Zahnarzttermin, die Aktienkurse fallen (wieder die falschen Papiere gekauft?!), Scheiben vom Auto zugefroren, Zahnbelag, ich krieg keine Luft, zu viel
gegessen, zu wenig trainiert, dunkel ist es auch schon wieder, das Konto leer und die Gasrechnung noch nicht bezahlt.
Haindl-Tarot: Der
Gehängte
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Antje K. Fucks 2002
