Freitag, 28. dezember 2007
Viele, zahlreiche, unzählige Spuren, eine Menge hat sich abgedrückt, verewigt in diesem Jahr. Es leuchtet. Es ist bunt.
Ja, natürlich, macht das sprachlos. Das Leben - so prall aus einzelnen Tropfen geformt. Viel überlagert sich, wird mehrfarbig,
vielschichtig.
Ich liebe das Uneindeutige, wenn sich die Fragmente der Erfahrung zu immer neuen Realitäten ordnen, wenn es viele Möglichkeiten gibt und keine macht angst. Wenn
mich Vielfalt nur wenig verwirrt, sondern inspiriert. Wenn Spuren im Sande verlaufen, schwächer werden, ausdünnen und das ist nicht bedrohlich.
Alles fängt irgendwo an. Alles hört irgendwo auf. Die Zeitpunkte sind beliebig, die Zeitverläufe sind Entscheidungen, die ich treffe. Die Pfauenfeder sieht
immer wieder anders aus, je nach Licht, nach Tageszeit, nach Stimmung.
Meine Füße sind kalt, meine Hände eiskalt. Das ist kein Grund zu leiden, sondern, sich warm zu machen. Das würde Rohrschach gerne sehen. Rohrschach ist
Psychiater. Psychiater haben Ahnung und entwickeln Testverfahren. Doch die sind völlig beliebig. Der Patient sieht bei jedem Bild nur schwarz. Ist er depressiv? Gar suizidal?
Nein, er ist farbenblind. Er hat sich mit fünf Jahren dafür entschieden, weil er die scheußlichen Haarfarben seiner Mutter nicht mehr sehen mochte. Das hat sie
gerettet; sonst hätte er sie umgebracht.

Abtönfarbe auf Papier, Schreibimpuls im Schreibkurs "KreativExperimente - Neue Schreibgruppe gegen Herbst- und Winterdepression" in Tegel (2007-12-27). Copyright: Rainer M. Halmen
Ich erkenne in diesem Bild ganz klar einen Fötus. Weiblich. Das entspricht der Wirklichkeit, die sich im Mai realisieren wird. Ein sehr buntes Wesen in einer bunten Welt. So soll es sein für
meine Enkelin. Zum bunten Großvater habe ich mehr Talent als zum Großvater, Standardmodell. Damit freunde ich mich an. Mein Mutterkuchen ist lange gegessen und wieder erbrochen. Es geht
auch anders - sagt diese bunte Welt. Sie sagt Vielfalt und Freude und Anmut und pulsierendes Leben. Kein Abdruck ohne Bedeutung.