Mittwoch, 2. januar 2008
Tarot-DerGeh--ngte-Haindl-.jpgHaindl-Tarot: Der Gehängte

Wieder einmal fangen Gewissheiten, nein, besser: vermeintliche Gewissheiten, an, sich zu zersetzen. Nein, auch das ist Blödsinn. Wenn wirklich das Bewusstsein die Welt erschafft, fange ich an, sie zu zersetzen.
Alles läuft gerade zielgerichtet auf diesen Punkt zu, von überall her strömen entsprechende Informationen, die heute zusammengefasst waren in der Übung "Nur durch meine Gedanken werde ich beeinflusst".
Nein, nein natürlich kann das nicht sein. Habe ich doch nicht umsonst Jahre meines Lebens damit verbracht, mir wissenschaftliches Denken anzueignen, nachvollziehbare und überprüfbare Argumente logisch zu verknüpfen. All die Gläubigen waren mir hochgradig verdächtig. Mit dem Banner der Wissenschaft ritt ich gegen sie, und das war damals rot gefärbt. "Marx unser, der du schriebst das Kapital...", das war mein Mantra. Genauso mythologisch, unbeweisbar und fanatisch wie der Glaube meiner Widersacher. Der Highlander-Virus ("Es kann nur einen geben.") hatte auch mich infiziert und ich wusste nicht einmal etwas davon. Der Genesungsprozess ist langwierig, untergründig, voller Rückschläge und doch unaufhaltsam. Manchmal ist es eine erhebliche Zumutung, Gewissheiten zu verlieren und nicht zu wissen, was wahr und richtig ist.
Möglicherweise ist die Zumutung für meine Umgebung noch viel größer. Wenn meine Freundin zum Beispiel sagt: Liebe bedeutet, sich geborgen zu fühlen. Und das ist deine Aufgabe mir das zu vermitteln. Und wenn du das nicht tust, heißt das, du liebst mich nicht. Da weiß sie sehr genau, was wie sein soll. Und sie will auch, dass ich das gleiche denke.

Ich glaube dagegen, dass sie da einer gewaltigen Illusion anhängt, was ich nicht verurteile, denn ich hatte sie auch einmal. Und dann antworte ich ihr und sage, ich denke, dass Liebe das Gefühl absoluter Geborgenheit in einem gemeinsamen Grund ist und mit dem Verhalten meines Gegenübers gar nichts zu tun hat.  Wenn ich mich nicht liebevoll fühle, kann ich nicht für meine Bedürftigkeit jemand anderen verantwortlich machen.
Und dann wird sie wütend und wir haben einen schönen Neujahrs-Streit. Der große Fortschritt hierin ist, dass es mich nicht mehr unglücklich macht. Es ist halt so. Ich will kein Missionar mehr sein. Missionare wissen immer, welcher Glaube der richtige ist. Und ich habe die letzten Jahre gelernt, dass es auf etwas ganz anderes ankommt: Willst du Recht haben oder willst du glücklich sein? Ich entscheide mich - wenn immer ich die Kraft dazu habe - für das zweite. 
von sanfter-taenzer
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  • : Berlin
  • : Lest - und ihr werdet mich erkennen. Oder vielleicht doch euch? Verwirrt? Gut, damit fangen neue Möglichkeiten an.

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