Sich zurückziehen in die Muschel, kleinen Schlitz offen lassen, ansonsten abducken und in der Strömung schaukeln. Man kann alles tun, verantwortungslos beobachten
und die Welt einfach sein lassen bis man stirbt in der Kälte und die Schalen in der Brandung zerbröselt werden, funktionslos herumgewirbelt und auf den Strand geschleudert.
Vielleicht findet sie dort ein Kind und sammelt Muscheln in seinen Sandeimer. Was willst du mit dem Zeug, sagt abends ein gestresseter Vater, lass hier, du hast genug Spielzeug. Das Kind brüllt und
will alles mitnehmen. Nein, sagt der Vater laut, das bleibt hier und jetzt komm!
Und eine neue Muschelschale schließt sich über den harmlosen Wünschen, die einfach nur hinderlich sind in der vernünftigen Welt der Erwachsenen, die eine Arbeit haben und Verantwortung und Kinder,
die unvernünftige Dinge haben wollen, die nicht mal Geld kosten.
Das alles ist ohne jeden Sinn und doch geschieht dieses sinn-lose, bewusstlose Stehlen der ursprünglichen, einfachen, bizarren Wünsche täglich in dieser Welt, in der sich in kurzen Momenten manch
einer fragt: Wozu? Und dann seufzend wieder zur Fernsehzeitung greift, schick essen geht, Wut auf den Chef hat und der Rente, die's dann nicht mehr geben wird, wieder einen Tag näher gekommen
ist.
Vor vierzig Jahren hieß es mal: UNTER DEM PFLASTER LIEGT DER STRAND. Und die, die das damals brüllten, sind heute vielleicht Ex-Minister, Abgeordnete im Europa-Parlament, Buddhismus-Lehrer,
Psychotherapeuten oder gescheiterte Existenzen, die aus drei Ehen nicht mal Kinder haben.
Auf dem Friedhof der politischen Ideen ruhen verblichen sanft ihre - und auch unsere - abgelegten Weltanschauungen.
Es tut gut, sich an die einfachen Wahrheiten zu erinnern: Im Sommer ist es warm, am Meer kann man Muscheln finden, im Winter ist es kalt und Sex wird immer ein Thema bleiben.